Elfenbeintafel um 965/983, Museo delle Arti Decorative, Mailand (Bildquelle: Joachim Schäfer, www.heiligenlexikon.de)

 

16. Dezem­ber  Namens­tag der Hei­li­gen Adelheid

 

Eine Prin­zes­sin – früh ver­hei­ra­tet, früh ver­wit­wet und bedrängt – hei­ra­tet den Kaiser

Adel­heid wur­de 931 als Toch­ter des bur­gun­di­schen Königs Rudolf II. und sei­ner Frau Ber­tha von Schwa­ben geboren.

Mit 16 Jah­ren ver­hei­ra­te­te man sie mit dem ita­lie­ni­schen König Lothar. Ihr Gat­te Lothar wur­de nach drei Jah­ren Ehe ver­gif­tet. Der mut­maß­li­che Mör­der Beren­gar II. von Ivrea ver­lang­te von der ver­wit­we­ten Adel­heid, sei­nen Sohn Adal­bert zu hei­ra­ten. Adel­heid wei­ger­te sich. Dar­auf­hin ent­führ­te Beren­gar sie und ihre klei­ne Toch­ter Emma und setz­te sie in sei­ner Burg Roc­ca am Gar­da­see gefan­gen. Ein Pries­ter oder Dia­kon namens Mar­ti­nus befrei­te Adel­heid und Emma durch einen unter­ir­di­schen Gang. Adel­heid fand Zuflucht in der Burg Canos­sa in Norditalien.

Dort scheint sie wäh­rend eines Ita­li­en­feld­zugs Kai­ser Otto I. ken­nen­ge­lernt haben, den sie 951 hei­ra­te­te. 962 wur­de Otto mit Adel­heid an sei­ner Sei­te in Rom von Papst Johan­nes XII. zum Kai­ser gekrönt.

Das Kai­ser­paar hat­te vier gemein­sa­me Kin­der. Über Emma und die bei­den ältes­ten Kin­der Adel­heids aus der Ehe mit Otto ist wenig bekannt. Die Toch­ter Mat­hil­de (954–999) wur­de Äbtis­sin in Qued­lin­burg im Harz.

Als Otto I. 973 starb, wur­de sein jün­ge­rer Sohn Otto II. mit 18 Jah­ren sein Nach­fol­ger. Schon zu sei­nen Leb­zei­ten hat­te sein Vater ihn zum Mit­kö­nig und Mit­kai­ser bestimmt, um die Erb­fol­ge zu sichern. Otto II. wur­de mit der byzan­ti­ni­schen Prin­zes­sin Theo­pha­nu ver­hei­ra­tet. Hei­rats­po­li­ti­scher Grund für die­se Ehe war die Absicht Ottos, mit dem ost­rö­mi­schen Kai­ser Johan­nes Tzi­mis­kes Frie­den zu haben. Die Ehe wur­de aber eine Lie­bes­ehe zwi­schen Otto II. und Theophanu.

Nach der Krö­nung von Otto II. zum Kai­ser und Theo­pha­nus zur „Mit­kai­se­rin (coim­pe­ra­trix)“ gab es Streit zwi­schen Adel­heid und dem kai­ser­li­chen Paar. Theo­pha­nu war Adel­heid mög­li­cher­wei­se zu macht­be­wusst und zu ehr­gei­zig, denn sie regier­te als selbst­be­wuss­te Rat­ge­be­rin zusam­men mit ihrem Gat­ten, dem Kai­ser. Außer­dem scheint sie als Aus­län­de­rin ver­schie­de­nen Fürs­ten im Reich nicht will­kom­men gewe­sen zu sein, so zum Bei­spiel dem Her­zog Hein­rich II. von Bay­ern, genannt „der Zänker“.

Adel­heid, die Mut­ter des Kai­sers, stand wahr­schein­lich zuerst auf der Sei­te Hein­richs, zog sich dann aber – geist­lich bera­ten durch Abt Majo­lus von Clu­ny – für eini­ge Jah­re nach Ita­li­en zurück. Dort ver­wal­te­te sie die kai­ser­li­chen Besitz­tü­mer in Italien.

Zwei klu­ge Frau­en und ein Bischof regie­ren das Reich

Spä­ter ver­söhn­te sich die Kai­se­rin­mut­ter Adel­heid mit Otto und ihrer Schwie­ger­toch­ter Theo­pha­nu, und als der Kai­ser auf einem Feld­zug im Alter von 28 Jah­ren über­ra­schend an Mala­ria gestor­ben war, über­nah­men die Groß­mutter und die Mut­ter gemein­sam die Regent­schaft anstel­le des min­der­jäh­ri­gen Otto III. Mit ihrem Bera­ter Bischof Wil­li­gis von Mainz lei­te­ten die bei­den Frau­en eini­ge Jah­re lang klug und erfolg­reich das Reich. Sogar den streit­ba­ren Hein­rich „den Zän­ker“ ban­den sie in ihre Herr­schaft ein. Hein­rich hat­te als Anfüh­rer sei­ner Rebel­li­on gegen die aus­län­di­sche Kai­se­rin den noch unmün­di­gen Thron­fol­ger Otto III. ent­führt und die Vor­mund­schaft über sei­nen Nef­fen bean­sprucht. Doch schließ­lich unter­warf er sich dem Kai­ser. Hein­rich ver­zich­te­te auf sei­ne Ambi­tio­nen, König zu wer­den, und gelob­te Otto III. Treue.

Adel­heid regiert nach dem Tod von Theo­pha­nu bis zur Voll­jäh­rig­keit von Otto III.

991 starb die „Mit­kai­se­rin“ Theo­pha­nu im Alter von 30 Jah­ren. Adel­heids Enkel Otto III. war mit 11 Jah­ren noch zu jung, Kai­ser zu wer­den. Des­halb führ­te Adel­heid die Regie­rungs­ge­schäf­te bis zu des­sen Voll­jäh­rig­keit fort. Als Otto III. 994 Kai­ser gewor­den war, zog sie sich wie­der zurück wie zur Zeit ihrer Aus­ein­an­der­set­zung mit Sohn und Schwie­ger­toch­ter. Die von Zeit­ge­nos­sen als sehr gebil­det gerühm­te Herr­sche­rin („lite­ra­tis­si­ma“) setz­te ihre groß­zü­gi­ge kari­ta­ti­ve Tätig­keit fort und unter­stütz­te Klös­ter in Deutsch­land, die sich der clunia­zen­si­schen Reform anschlossen.

Adel­heids Tod und Nach­wir­kung ihres Lebens

Adel­heid starb 999 in dem von ihr gegrün­de­ten Klos­ter Seltz im Elsass. Ihr Grab ist nicht erhal­ten. Aber noch Jahr­hun­der­te nach ihrem Tod wird sie allei­ne oder zusam­men mit ande­ren Hei­li­gen dargestellt.

Wegen ihrer groß­zü­gi­gen Mild­tä­tig­keit wur­de Adel­heid über ihren Tod hin­aus vom Volk ver­ehrt. Ver­mut­lich tru­gen auch ihre mensch­li­chen Qua­li­tä­ten, zum Bei­spiel ihre Bereit­schaft, sich mit ihrer Schwie­ger­toch­ter zu ver­tra­gen und sogar gemein­sam mit ihr zu regie­ren, zum Ruf ihrer Hei­lig­keit bei. 1097 wur­de Adel­heid von Papst Urban II. heiliggesprochen.

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Für Kölner*innen inter­es­sant: Adel­heids Schwie­ger­toch­ter, die „Mit­kai­se­rin“ Theo­pha­nu, wur­de ihrem Wunsch gemäß in ihrer Lieb­lings­grün­dung St. Pan­ta­le­on in der Köl­ner Süd­stadt bei­gesetzt. Pan­ta­le­on war ein byzan­ti­ni­scher Arzt und Mär­ty­rer, des­sen Ver­eh­rung durch Theo­pha­nu und ihr Gefol­ge im Wes­ten ver­brei­tet wurde.

Das star­ke West­werk der Kir­che St. Pan­ta­le­on ist ein archi­tek­to­ni­sches Zeug­nis für das Selbst­be­wusst­sein der Otto­nen, wel­che die Kir­che zur Sta­bi­li­sie­rung des römisch-deut­schen Kai­ser­rei­ches förderten.

Text: Nor­bert Höfer

Bild:

In Gegen­wart des hl. Mau­ri­ti­us und der Mut­ter­got­tes hul­di­gen Otto I., sei­ne Frau Adel­heid und ihr Sohn Otto II. dem als All­herr­scher dar­ge­stell­ten Chris­tus. Elfen­bein­ta­fel um 965/983, Museo del­le Arti Deco­ra­ti­ve, Mai­land (Bild­quel­le: Joa­chim Schä­fer, www.heiligenlexikon.de)

Quel­len:

Joa­chim Schä­fer: Arti­kel Adel­heid, https://www.heiligenlexikon.de//BiographienA/Adelheid.htm, abge­ru­fen am 25. 11. 2025

https://de.wikipedia.org/wiki/Adelheid_von_Burgund

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_II._(HRR)

Text­be­ar­bei­tung: Nor­bert Höfer