Die deut­sche Son­der­tra­di­ti­on, den Apos­tel Mat­thi­as am 24. Febru­ar zu fei­ern, ver­dankt sich der Tat­sa­che, dass in Trier das Grab des hei­li­gen Mat­thi­as als ein­zi­ges Apos­tel­grab auf deut­schem Boden ver­ehrt wird. Wegen des fest ver­wur­zel­ten Brauch­tums hält man hier dar­an fest, den Namens­tag des Apos­tels am 24. Febru­ar zu fei­ern, obwohl er dann in die Fas­ten­zeit fällt. Die Welt­kir­che begeht den Namens­tag des hei­li­gen Mat­thi­as am 14.Mai.

Die Gestalt des hei­li­gen Mat­thi­as führt uns tief in die Fröm­mig­keit der Urkir­che, wie sie Lukas in sei­ner Apos­tel­ge­schich­te beschreibt. Lukas erzählt, nach der Him­mel­fahrt Jesu hät­ten sich die Apos­tel, die Frau­en aus dem Gefol­ge Jesu, Maria und die Brü­der Jesu „im Ober­ge­mach“ zum Gebet ver­sam­melt. Dort sei­en sie bis zu ihrem ers­ten öffent­li­chen Auf­tre­ten am Pfingst­fest zusam­men­ge­blie­ben. In einer Ver­samm­lung der Gemein­schaft habe Petrus gesagt, weil Judas durch den Ver­rat Jesu und sei­nen Selbst­mord aus der Zahl der zwölf Apos­tel aus­ge­schie­den sei, müs­se ein Nach­fol­ger für ihn bestimmt wer­den. Die­ser müs­se Jesus vom Anfang sei­nes irdi­schen Wir­kens bis zu sei­ner Auf­nah­me in den Him­mel erlebt haben und die Auf­er­ste­hung Jesu bezeu­gen kön­nen. Zwei Kan­di­da­ten wer­den auf­ge­stellt – ein gewis­ser Josef Bars­ab­bas und Mat­thi­as -, und die Gemein­de ent­schei­det per Los, wer nach Got­tes Wil­len die Zwölf­zahl im Apos­tel­kol­le­gi­um kom­plet­tie­ren soll. „Sie war­fen das Los über sie; das Los fiel auf Mat­thi­as und er wur­de den elf Apos­teln zuge­zählt“, sagt die Apos­tel­ge­schich­te ganz knapp (Apg 1,26).

Damit sind unse­re siche­ren Infor­ma­tio­nen über den neu­en zwölf­ten Apos­tel schon kom­plett. Mehr erfah­ren wir über ihn nicht. Die Berich­te schwei­gen über sein Leben, die Anga­ben über sei­nen Tod sind wider­sprüch­lich: natür­li­cher Tod in hohem Alter sagen die einen, Mar­ty­ri­um durch Kreu­zi­gung oder Ent­haup­tung die ande­ren. Sei­ne Gebei­ne in Trier wird man erst 1127 „fin­den“. Angeb­lich sind sie durch Hele­na (gest. um 330), die Mut­ter von Kai­ser Kon­stan­tin, dort­hin gebracht wor­den. Kon­stan­tin stamm­te aus Trier.

Zwei Din­ge machen die Beru­fung des Mat­thi­as zum Apos­tel und sei­ne Per­son bemer­kens­wert: ers­tens, dass er sich einer Wahl, bzw. einem Los­ent­scheid stell­te, und zwei­tens, dass er von den ande­ren elf Apos­teln auf­grund eines „Bewei­ses“ aus den Psal­men als gleich­be­rech­tig­ter Zeu­ge Chris­ti aner­kannt wur­de. Petrus beruft sich näm­lich in sei­ner Begrün­dung für die Nach­wahl eines Ersatz­man­nes für Judas auf die Stim­me Chris­ti, die er aus Psalm 109 her­aus­hört, wo es heißt: „Sein Amt soll ein ande­rer erhal­ten!“ (Psalm 109,8, zitiert in Apg 1,20).

Im Mit­tel­al­ter bekam die Wall­fahrt zum Mat­thi­as-Grab in Trier, dem ein­zi­gen Apos­tel­grab nörd­lich der Alpen, gro­ße Bedeu­tung. Es ent­stan­den Mat­thi­as-Bru­der­schaf­ten; eini­ge füh­ren bis heu­te Wall­fahr­ten durch.

Text: Nor­bert Höfer

Foto: Bert­hold Wer­ner, Kir­che der Bene­dik­ti­ner-Abtei St. Mat­thi­as in Trier, wikipedia.org (gemein­frei)