Heilige Teresa von Ávila (1515–1582)
Die Redner und Prediger wurden seit der Antike bis ins frühe Mittelalter geschult, ihr Wissen und neue Informationen in „inneren Räumen“ einzusortieren und zu speichern. Die spanische Mystikerin Teresa von Ávila, mit Ordensnamen Teresa von Jesús, steht in gewisser Weise in dieser Tradition, wenn sie ihre Leserinnen und Leser anleitet, in ihre inneren Wohnungen einzukehren. „Die Wohnungen der inneren Burg“ (Las moradas del castillo interior) ist der Titel ihres Hauptwerks. Darin beschreibt Teresa den Weg, auf dem Christus als König in der Mitte der Seelenburg zu finden ist.
Teresa ist Zeitgenossin des Humanismus und der Reformation. In Spanien gilt diese Epoche als „Goldenes Zeitalter“ (Siglo de oro). Damals begann man sich auf neue Weise für die Historie zu interessieren. Man lernte neben dem Latein der mittelalterlichen Universitäten das klassische Griechisch, Latein und Hebräisch und las von neuem die Schriftsteller der vorchristlichen Antike. In der Frömmigkeit rückte neben dem „Heilswerk“ Jesu sein irdisches Leben als Mensch in den Mittelpunkt der Andacht.
Teresa war das fünfte von zehn Kindern eines Vaters aus einer zum Katholizismus übergetretenen jüdischen Familie und von dessen zweiter Frau. Von ihr lernte Teresa lesen und schreiben. In ihren autobiografischen Aufzeichnungen erzählt Teresa, dass sie am liebsten Ritterromane und Abenteuergeschichten las und dass sie als Kind mit einem Bruder davon geträumt habe, als Missionare auf den Spuren Jesu „Heiden“ zu bekehren.
Aber als Frau konnte sie damals trotz ihrer Intelligenz keine akademisch-theologische Bildung erwerben und auch kein geistliches Amt anstreben.
Um sich nicht durch Heirat einem Mann unterordnen zu müssen und aus Liebe zu Christus ging sie mit zwanzig Jahren gegen den Willen ihres Vaters ins Kloster Encarnación der Karmelitinnen in Ávila. Dort wird eine Treppe gezeigt, wo ihr in einer Vision ein Kind begegnete. Schwester Teresa stellte sich dem Kind mit ihrem Ordensnamen vor: „Ich bin Teresa von Jesus.“ Darauf entgegnete ihr das Kind: „Und ich bin Jesus von Teresa.“
Nach einer jahrelangen schweren gesundheitlichen und spirituellen Krise, an deren Ende Teresa drei Tage lang für tot gehalten wurde, genas sie wieder. Ermutigt durch einen Seelsorger setzte sie ihre Praxis des „innerlichen Gebets“ fort. Diese Gebetspraxis war damals sehr umstritten. Teresa bezeichnete mit „innerlichem Gebet“ das kontemplative Verweilen bei Jesus, den sie als Freund erlebte, und mit dem sie in den Wohnungen ihrer „inneren Burg“ sprach.
Aus der Verbindung mit dem königlichen Freund Jesus, begann Teresa, den Orden der Karmelitinnen und dessen männlichen Zweig zu reformieren. Dabei arbeitete sie mit reformwilligen Männern verschiedener Ordensgemeinschaften zusammen: Petrus von Alcántara, Jerónimo Gracián und Johannes vom Kreuz.
Immer wieder reiste die Heilige unter mühseligen Bedingungen, meist auf Ochsenkarren, durch Spanien, wenn sich irgendwo die Gelegenheit ergab ein neues Karmelkloster zu gründen. Das war manchmal schwierig, zum Beispiel, weil einige Ortsbischöfe besorgt waren, die Frauen und Männer des neuen Bettelordens würden die Stadtgesellschaft mit ihrer Angewiesenheit auf Almosen und Spenden überfordern, oder weil ihnen die Reformbestrebungen verdächtig waren. Teresa beklagt in ihren Schriften, dass die Angst vor der Inquisition wie ein Pesthauch über Spanien gelegen habe.
Dennoch waren ihr Wirken und das ihrer Freunde von vielen Erfolgen gekrönt. Die Reformer motivierten zahlreiche Frauen und Männer zu einem Leben der Kontemplation und des Gebets in Freundschaft mit Jesus.
Dabei legte Teresa Wert auf gut gebildete Seelsorger, denn sie wusste aus eigener Erfahrung, dass jeder Mensch eine höchst persönliche Geschichte und sehr individuelle Fähigkeiten, Neigungen und Probleme hat, und dass eine fundierte Bildung die Grundlage für Verstehen ist.
Mit 67 Jahren starb Teresa in Alba de Tormes, einem Dorf nahe der Universitätsstadt Salamanca. Sie war auf der Rückkehr von der Gründung eines Klosters in Burgos in Nordspanien und sollte der jungen Herzogin von Alba während einer Niederkunft beistehen. In Alba wurde Teresa begraben. Bei verschiedenen Öffnungen ihres Sarges stellte man fest, dass ihr Leichnam unverwest geblieben ist.
Teresas Briefe und die Werke, die sie auf Geheiß ihrer Beichtväter verfasste, enthalten die Geschichte ihres Lebens, ihre Erlebnisse bei den Klostergründungen sowie ihre Erfahrungen mit Kontemplation und Anleitungen zur christlichen Meditation.
1965 ernannte Papst Paul VI. Teresa von Ávila als erste Frau in der Geschichte der Kirche zur Kirchenlehrerin.
Das vielleicht berühmteste Zitat der heiligen Teresa von Jesús sind Sätze, die manche aus einem Taizé-Gesang kennen:

„Nada te turbe, nada te espante. Todo se pasa,dios no se muda. La paciencia todo lo alcanza. Quién Diós tiene, nada le falta. Sólo Diós basta.“ – „Nichts soll dich beunruhigen, nichts dich erschrecken. Alles geht vorbei, Gott verändert sich nicht. Die Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“
Text: Norbert Höfer
Bilder: Wikimedia commons: Hl. Therese von Ávila (Peter Paul Rubens (1577–1640) Kunsthistorisches Museum Wien) und Norbert Höfer: Foto eines Faksimiles des Zitats von Teresa von Ávila











