Wikimedia commons: Hl. Therese von Ávila (Peter Paul Rubens (1577-1640) Kunsthistorisches Museum Wien)    Hei­li­ge Tere­sa von Ávila (1515–1582)

 

Die Red­ner und Pre­di­ger wur­den seit der Anti­ke bis ins frü­he Mit­tel­al­ter geschult, ihr Wis­sen und neue Infor­ma­tio­nen in „inne­ren Räu­men“ ein­zu­sor­tie­ren und zu spei­chern. Die spa­ni­sche Mys­ti­ke­rin Tere­sa von Ávila, mit Ordens­na­men Tere­sa von Jesús, steht in gewis­ser Wei­se in die­ser Tra­di­ti­on, wenn sie ihre Lese­rin­nen und Leser anlei­tet, in ihre inne­ren Woh­nun­gen ein­zu­keh­ren. „Die Woh­nun­gen der inne­ren Burg“ (Las mora­das del cas­til­lo inte­ri­or) ist der Titel ihres Haupt­werks. Dar­in beschreibt Tere­sa den Weg, auf dem Chris­tus als König in der Mit­te der See­len­burg zu fin­den ist.

Tere­sa ist Zeit­ge­nos­sin des Huma­nis­mus und der Refor­ma­ti­on. In Spa­ni­en gilt die­se Epo­che als „Gol­de­nes Zeit­al­ter“ (Sig­lo de oro). Damals begann man sich auf neue Wei­se für die His­to­rie zu inter­es­sie­ren. Man lern­te neben dem Latein der mit­tel­al­ter­li­chen Uni­ver­si­tä­ten das klas­si­sche Grie­chisch, Latein und Hebrä­isch und las von neu­em die Schrift­stel­ler der vor­christ­li­chen Anti­ke. In der Fröm­mig­keit rück­te neben dem „Heils­werk“ Jesu sein irdi­sches Leben als Mensch in den Mit­tel­punkt der Andacht.

Tere­sa war das fünf­te von zehn Kin­dern eines Vaters aus einer zum Katho­li­zis­mus über­ge­tre­te­nen jüdi­schen Fami­lie und von des­sen zwei­ter Frau. Von ihr lern­te Tere­sa lesen und schrei­ben. In ihren auto­bio­gra­fi­schen Auf­zeich­nun­gen erzählt Tere­sa, dass sie am liebs­ten Rit­ter­ro­ma­ne und Aben­teu­er­ge­schich­ten las und dass sie als Kind mit einem Bru­der davon geträumt habe, als Mis­sio­na­re auf den Spu­ren Jesu „Hei­den“ zu bekehren.

Aber als Frau konn­te sie damals trotz ihrer Intel­li­genz kei­ne aka­de­misch-theo­lo­gi­sche Bil­dung erwer­ben und auch kein geist­li­ches Amt anstreben.

Um sich nicht durch Hei­rat einem Mann unter­ord­nen zu müs­sen und aus Lie­be zu Chris­tus ging sie mit zwan­zig Jah­ren gegen den Wil­len ihres Vaters ins Klos­ter Encar­na­ción der Kar­me­li­tin­nen in Ávila. Dort wird eine Trep­pe gezeigt, wo ihr in einer Visi­on ein Kind begeg­ne­te. Schwes­ter Tere­sa stell­te sich dem Kind mit ihrem Ordens­na­men vor: „Ich bin Tere­sa von Jesus.“ Dar­auf ent­geg­ne­te ihr das Kind: „Und ich bin Jesus von Teresa.“

Nach einer jah­re­lan­gen schwe­ren gesund­heit­li­chen und spi­ri­tu­el­len Kri­se, an deren Ende Tere­sa drei Tage lang für tot gehal­ten wur­de, genas sie wie­der. Ermu­tigt durch einen Seel­sor­ger setz­te sie ihre Pra­xis des „inner­li­chen Gebets“ fort. Die­se Gebets­pra­xis war damals sehr umstrit­ten. Tere­sa bezeich­ne­te mit „inner­li­chem Gebet“ das kon­tem­pla­ti­ve Ver­wei­len bei Jesus, den sie als Freund erleb­te, und mit dem sie in den Woh­nun­gen ihrer „inne­ren Burg“ sprach.

Aus der Ver­bin­dung mit dem könig­li­chen Freund Jesus, begann Tere­sa, den Orden der Kar­me­li­tin­nen und des­sen männ­li­chen Zweig zu refor­mie­ren. Dabei arbei­te­te sie mit reform­wil­li­gen Män­nern ver­schie­de­ner Ordens­ge­mein­schaf­ten zusam­men: Petrus von Alcán­ta­ra, Jeró­ni­mo Gra­cián und Johan­nes vom Kreuz.

Immer wie­der reis­te die Hei­li­ge unter müh­se­li­gen Bedin­gun­gen, meist auf Och­sen­kar­ren, durch Spa­ni­en, wenn sich irgend­wo die Gele­gen­heit ergab ein neu­es Kar­mel­klos­ter zu grün­den. Das war manch­mal schwie­rig, zum Bei­spiel, weil eini­ge Orts­bi­schö­fe besorgt waren, die Frau­en und Män­ner des neu­en Bet­tel­or­dens wür­den die Stadt­ge­sell­schaft mit ihrer Ange­wie­sen­heit auf Almo­sen und Spen­den über­for­dern, oder weil ihnen die Reform­be­stre­bun­gen ver­däch­tig waren. Tere­sa beklagt in ihren Schrif­ten, dass die Angst vor der Inqui­si­ti­on wie ein Pest­hauch über Spa­ni­en gele­gen habe.

Den­noch waren ihr Wir­ken und das ihrer Freun­de von vie­len Erfol­gen gekrönt. Die Refor­mer moti­vier­ten zahl­rei­che Frau­en und Män­ner zu einem Leben der Kon­tem­pla­ti­on und des Gebets in Freund­schaft mit Jesus.

Dabei leg­te Tere­sa Wert auf gut gebil­de­te Seel­sor­ger, denn sie wuss­te aus eige­ner Erfah­rung, dass jeder Mensch eine höchst per­sön­li­che Geschich­te und sehr indi­vi­du­el­le Fähig­kei­ten, Nei­gun­gen und Pro­ble­me hat, und dass eine fun­dier­te Bil­dung die Grund­la­ge für Ver­ste­hen ist.

Mit 67 Jah­ren starb Tere­sa in Alba de Tor­mes, einem Dorf nahe der Uni­ver­si­täts­stadt Sala­man­ca. Sie war auf der Rück­kehr von der Grün­dung eines Klos­ters in Bur­gos in Nord­spa­ni­en und soll­te der jun­gen Her­zo­gin von Alba wäh­rend einer Nie­der­kunft bei­ste­hen. In Alba wur­de Tere­sa begra­ben. Bei ver­schie­de­nen Öff­nun­gen ihres Sar­ges stell­te man fest, dass ihr Leich­nam unver­west geblie­ben ist.

Tere­sas Brie­fe und die Wer­ke, die sie auf Geheiß ihrer Beicht­vä­ter ver­fass­te, ent­hal­ten die Geschich­te ihres Lebens, ihre Erleb­nis­se bei den Klos­ter­grün­dun­gen sowie ihre Erfah­run­gen mit Kon­tem­pla­ti­on und Anlei­tun­gen zur christ­li­chen Meditation.

1965 ernann­te Papst Paul VI. Tere­sa von Ávila als ers­te Frau in der Geschich­te der Kir­che zur Kirchenlehrerin.

Das viel­leicht berühm­tes­te Zitat der hei­li­gen Tere­sa von Jesús sind Sät­ze, die man­che aus einem Tai­zé-Gesang kennen:

Nada te tur­be, nada te espan­te. Todo se pasa,dios no se muda. La paci­en­cia todo lo alcan­za. Quién Diós tiene, nada le fal­ta. Sólo Diós bas­ta.“ – „Nichts soll dich beun­ru­hi­gen, nichts dich erschre­cken. Alles geht vor­bei, Gott ver­än­dert sich nicht. Die Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“

 

Text: Nor­bert Höfer

Bil­der: Wiki­me­dia com­mons: Hl. The­re­se von Ávila (Peter Paul Rubens (1577–1640) Kunst­his­to­ri­sches Muse­um Wien) und Nor­bert Höfer: Foto eines Fak­si­mi­les des Zitats von Tere­sa von Ávila